Von Prof. Dr. Bernd Jöstingmeier ( E-Mail: Joestingmeier@dimv.org )

Wenn in das Innovationsmanagement einer Unternehmung nicht nur Ideen der eigenen Arbeitnehmer und Führungskräfte, sondern auch Ideen aus externen Quellen, bspw. aus Kundenbeschwerden, Wettbewerberaktivitäten, wissenschaftlichen Quellen oder aus Internetplattformen einfließen, wird dies mit dem Begriff Open Innovation bezeichnet.[1] Im Folgenden werden Beispiele dafür erläutert.

Beim Design Thinking werden in einem iterativen Prozess in enger Abstimmung mit potenziellen Kunden Prototypen entwickelt und schrittweise verbessert. Zunächst versucht das Projektteam, die Bedürfnisse, Wünsche und Einstellungen der Zielgruppe tatsächlich zu verstehen. Dies geschieht durch persönliche Interviews und wird nicht an eine Marktforschungsagentur delegiert. Anschließend wird das Ziel definiert: Das Ergeb­nis ist eine klar definierte Fragestellung, die sich auf die Kern­probleme und Bedürfnisse der typischen Nutzer bezieht.

8934798054?profile=RESIZE_584xAbbildung 1: Die Rolle der Kundenorientierung im Design-Thinking-Prozess[2]

Anschließend werden mit Hilfe von Kreativitätsmethoden so viele Ideen wie möglich entwickelt (Kreativ-Phase), aus denen anschließend die besten Ideen ausgewählt werden (Bewertungs-Phase).[3] Aufbauend auf den besten Ideen werden Prototypen entwickelt. Hierzu sind anfangs keine aufwändigen Prototypen notwendig. Einfache Storyboards oder Rollenspiele etc. sparen Zeit und Geld. Zudem werden die Tester dadurch zu offener Kritik ermutigt. Der Ausarbeitungsgrad der Prototypen steigert sich jedoch im Laufe der Itera­tionen kontinuierlich bis hin zu voll funktionsfähigen Mus­tern.

Im Laufe eines Design-Thinking-Projektes werden die Phasen der Ideenfindung, der Entwicklung von Prototypen und deren Tests meistens mehrfach durchlaufen. Im kontinuierlichen Kontakt mit den Nutzern erfolgt eine schrittweise Annäherung an die optimale Produkt- und/oder Dienstleistungskombination. Im Erfolgsfall besteht am Ende eine vollstän­dig auf die Kundenbedürfnisse abgestimmte und außergewöhn­liche Innovation.[4] In der folgenden Abbildung wird der Design-Thinking-Prozess im Überblick dargestellt:

8934807094?profile=RESIZE_710xAbbildung 2: Der Design-Thinking-Prozess[5]

Eine weitere Möglichkeit im Rahmen des Open Innovation besteht in der Entwicklung und Nutzung von Open-Source-Software (aus dem Englischen: Open Source bedeutet wörtlich offene Quelle). Damit wird Software bezeichnet, deren Quelltext öffentlich ist und von externen Software-Entwicklern und Unternehmungen eingesehen und verändert werden kann. Open-Source-Software kann oft kostenlos genutzt werden.[6]

Unternehmungen können selbstentwickelte Software als Open-Source-Software zur Verfügung stellen, um bspw. weitere Entwicklungskosten zu reduzieren, innovative Ideen von externen Software-Entwicklern zu erhalten oder um Marktanteile zu gewinnen, indem eigene Standards sich im Markt durchsetzen.[7]

Beim Crowdsourcing (aus dem Englischen: Crowd bedeutet (Menschen-)Menge und sourcing steht für Beschaffung)  wird eine zunächst unbestimmte Anzahl von Personen zur freiwilligen Ideengewinnung oder Umsetzung aufgerufen. Dabei kann es sich um bezahlte oder unbezahlte Aktivitäten handeln. Als Medium wird dafür typischerweise das Internet genutzt.[8]

 

[1] Vgl. Chesbrough, H. (2003). Faber, M. J. (2008).

[2] Sonntag, A. (2014), S. 4.

[3] Vgl. Granig, P. (2007), S. 51 ff.

[4] Vgl. Sonntag, A. (2014), S. 4.

[5] Sonntag, A. (2014), S. 3.

[6] Vgl. Schulz, S.  (2018), https://praxistipps.chip.de/open-source-was-ist-das-genau_12877; Abruf: 15.04.2020. Henkel, J. (2007).

[7] Der Open-Source-Ansatz kann auch außerhalb von Software auf andere Bereiche übertragen werden. Siehe dazu: Reichwald, R., et al. (2007), S. 165 f.

[8] Vgl. Blättel-Mink, B. (2010), S. 130.

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